Kunstprojektwoche Kl 1: Van Gogh – ein Naturtalent mit spätem Ruhm

2025 wurde unsere Kunstausstellung ins Leben gerufen und fand großen Anklang bei den Gästen. Auch dieses Jahr beschäftigte sich jede Klasse in der Projektwoche mit einem Künstler.

Die Erstklässlerinnen und Erstklässler lernten den niederländischen Maler Vincent van Gogh kennen.

Während er vielen Menschen durch seine Werke „Blumenbeete in Holland“, „Kornfeld mit Zypressen“, „Das gelbe Haus“, „Die Sternennacht“ oder „Sonnenblumen“ bekannt ist, handelte es sich bei seiner Person für die Kinder um ein unbeschriebenes Blatt. Dieses galt es zu füllen.

So lernten sie den Künstler unter anderem anhand eines Bilderbuches nach und nach kennen.

Geboren wurde er im Jahr 1853. Schon als Kind war oft traurig und hatte Angst. Anders wie viele andere Maler hatte er sich als Kind nicht für Kunst oder Malerei interessiert. Erst im Alter von 27 Jahren begann er zu zeichnen. Zuvor übte er verschiedene Berufe aus.

Vom Prediger zum Maler: Eine Zeit lang arbeitete er als Prediger, um den Menschen die Bibel nahe zu bringen. Parallel dazu begann er, zu malen. Dabei stellte sich heraus, dass er ein echtes Naturtalent war. Während zahlreiche Meister seines Metiers eine Kunstschule besucht haben, brachte Vincent sich das Malen selbst bei.

„Meiner Ansicht nach bin ich reich wie ein Krösus – nicht an Geld, aber reich, weil ich in meiner Arbeit etwas gefunden habe, dem ich mich mit Herz und Seele widmen kann und das mich inspiriert und meinem Leben einen Sinn gibt.“

Die Kunst kann eine Quelle der Freude sein. Sie kann aufbauen, wenn du traurig bist und Glücksmomente bringen, wenn du niedergeschlagen bist.

Anfangs waren seine Gemälde oft dunkel. Später wurde er bekannt für Gemälde mit dick aufgetragener Farbe. Er lernte die französischen Impressionisten kennen. Wie sie malte er, was er in der Natur und im Alltag sah. Die Bilder wurden heller, leuchtender und bunter. Leuchtende Felder, blühende Bäume – Wenn man seine Bilder anschaut, sieht es oft so aus, als ob sich die Wolken, Sterne oder Bäume wie in einem Wirbelwind bewegen würden.

„Ich kann nichts dafür, dass meine Bilder sich nicht verkaufen lassen. Aber es wird die Zeit kommen, da die Menschen erkennen, dass sie mehr wert sind als das Geld für die Farbe.“

Leider hatte er zu Lebzeiten keinen Erfolg als Künstler. Im Gegenteil: er hatte wenig Geld und musste oft von seinem Bruder unterstützt werden. Tatsächlich verkaufte er nur ein einziges Bild. Dabei hat er über 840 Gemälde und 1000 Zeichnungen angefertigt.

Die Kinder beschäftigten sich intensiv mit dem Kunstwerk „Die Sternennacht“. Was ist auf dem Bild zu sehen? Welche Farben wurden verwendet? Wie wurde diese aufgetragen? …

Nach einer intensiven Werkbetrachtung erschufen sie ihre eigenen Interpretationen dessen, was van Gogh wahrgenommen haben könnte. Dabei wurde collagiert und gemalt.

„Die wahren Maler sind diejenigen, welche die die Dinge nicht so malen, wie sie sind, sondern wie sie sie fühlen.“

Was fühlten die Kinder bei der Betrachtung des Kunstwerks? Beim kreativen Schreiben entstanden Geschichten, die einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Kinder ermöglichten.
„Es war einmal eine dunkle Nacht in einem Dorf. Es war dunkel um Mitternacht, als die Sterne nur so am Himmel leuchten. Der Mond ließ sanft seine Strahlen auf die Erde gleiten. Alle Menschen schliefen.“
„Es war kalt. Es war Herbst. Die Blätter von den Bäumen waren schwarz, gelb und braun. Als wir wieder nach Hause kamen, war es noch dunkel. Ich ging wieder ins Bett und Mama erzählte mir eine Geschichte. Ich schlief sofort ein.“
„Alle Menschen aus dem Dorf träumten schön. Die Kirche sah man am meisten. In den Häusern brannte kein Licht, nur die Sterne und der Mond und ab und zu auch eine Sternschnuppe. Es war eine stille Nacht wie in einem Traum.  Man kann es fast gar nicht erträumen, so schön war es. Nur der ein oder andere Mensch lag wach.“
„Es war einmal eine tolle Nacht mit Sternen. Schwarz, gelb und blau. Ich freue mich auf die Dunkelheit.“

„Blick mit uns in die Sterne“ – unter diesem Motto entstand ein großer Klassensternenhimmel.

Auch die Fenster mit zahlreichen Sternenwirbeln und dunklen Zypressen sorgten dafür, dass sich der Betrachter oder die Betrachterin unserer Ausstellung in einer Sternennacht befand.

Die „Sonnenblumen“ fanden in neuer Version Beachtung – sowohl gebastelt in einer Vase als auch als Gemälde. Wichtiges zum Leben van Goghs fassten die Kinder auf einem Plakat zusammen. Außerdem wurden beliebte Motive gesammelt und nachgezeichnet. In kleinen Arbeitsheftchen wurden typische Merkmale des Künstlers festgehalten. Dekorative selbst beklebte Sternenbild – Glaslichter leuchteten an verschiedenen Stellen.

Durch eine Diashow konnten die Gäste nachträglich am Arbeitsprozess teilnehmen.

Insgesamt wurde im Klassenzimmer eine Atmosphäre geschaffen, in denen man den Künstler intensiv kennen lernen konnte. Es wurde deutlich, wie viel Engagement und Motivation alle Schülerinnen und Schüler in die entstandenen Werke gesteckt haben.

Als Kunstlehrerin bin ich begeistert, wie viel die Kinder in einer Woche geleistet haben.

„Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele, und niemand kommt, um sich daran zu wärmen.“

Mit 37 Jahren und nach zehnjährigem erfolglosen Künstlerdasein erschoss sich Vincent van Gogh.

Heute sind seine Gemälde Millionen wert. Einige von ihnen sind noch erhalten und hängen unter anderem im nach ihm benannten Van-Gogh-Museum in Amsterdam.

Seine Bilder werden dem Spätimpressionismus zugeordnet, einem etwa zwischen 1880 und 1905 entstandenen Kunststil. Bei diesem Kunststil handelt es sich um eine Art Übergangsphase vom Impressionismus zum Expressionismus. Kurze Pinselstriche und flüchtige Eindrücke von der Natur zeigen den impressionistischen Einfluss. Leuchtende, kräftige Farben und verzerrte, abstrakte Darstellungen deuten auf den expressionistischen Stil hin.

Seine Bilder waren wegweisend für die moderne Kunst.

Ein Genie, das lange Zeit unentdeckt blieb und schließlich in dieser Woche zum Leben erweckt wurde.

Dabei bin ich überzeugt davon, dass die Ergebnisse den verstorbenen Künstler mit Stolz erfüllt hätten.